Aktionswoche 06. bis 12. Juni 2026
Tagesberichte: Was wirklich passiert
Hier schildern wir Tag für Tag, was wir erlebt haben.
[Bericht folgt nach der Demo. Bitte hier einfügen.]
☣️ 12 Uhr: Zweite Closed-Area-Aktion von Extinction Rebellion
Schutzanzüge. Gasmasken. Sterbende Menschen. Diesmal direkt vor dem InterContinental Hotel, dem Herzstück der SuperReturn. Extinction Rebellion erklärte den Eingangsbereich der weltgrößten Private-Equity-Konferenz zur toxischen Sperrzone.
Die Firmen drinnen pumpen Milliarden in Kohle, Öl und Gas. Sie kaufen Wohnungen und Krankenhäuser auf, nicht um sie zu betreiben, sondern um maximale Rendite herauszuholen.
🍲 16 Uhr: Solidarische Tafel
[Bericht folgt.]
🎤 19 Uhr: Podiumsdiskussion
[Bericht folgt.]
🌿 Nacht 08./09. Juni: Widerstands-Kollektiv
Die Investor:innen wachten am Dienstagmorgen mit einigen kleinen Botschaften auf. Das Widerstands-Kollektiv hatte in der Nacht Brennesseljauche auf dem Konferenzgelände verteilt und Plakate mit der Aufschrift „Euer Geld stinkt“ befestigt.
🟩 Morgens: Brunnenfärbung Breitscheidplatz
Gleichzeitig wurde der Brunnen am Breitscheidplatz mit unschädlichem Uranin grün eingefärbt und NoSuperReturn-Botschaften verteilt. Ein symbolisches Bild für die Folgen immer weiterer fossiler Investitionen.
💼 10 Uhr: Return on Climate
Wieder wurde das DoubleTree Schauplatz einer gelungenen Protestaktion. Das Kunstprojekt Return on Climate trat als fiktives Startup in Business-Kleidung vor dem SuperReturn Energy Transition Summit auf und bot „Premium Carbon Credits mit Sofortwirkung“ an: Zertifikate für CO₂, das durch Sabotage fossiler Infrastruktur nicht ausgestoßen wurde. 200 Dollar pro Tonne. Die Aktion spricht die Sprache des Finanzkapitalismus so ernst, dass die Absurdität sichtbar wird. Alle genannten Zahlen sind real und belegt: Öl, Gas und Kohle werden weltweit fünfmal stärker staatlich gefördert als Solar und Wind.
Fotos und PM: returnonclimate.org · Video: youtu.be/QWHv6kkOWTU
🎶 10 bis 18 Uhr: Mahnwache entfaltet ihre volle Schönheit
Die Mahnwache am Olof-Palme-Platz entfaltete ihre volle Schönheit. Die Bühne „Trudi“ und die Tribünen „Public Parliament“ standen nun bereit. Außerdem waren drei Kunstfiguren zu bestaunen: Der gierige Drache, der auf seinem Goldhaufen thront und nicht genug kriegen kann – als Symbol für die Gier nach maximalem Profit. Gaia, die Mutter Erde, die zeigt, worum es wirklich geht. Und die Eisbärin Milli mit ihrer kämpferischen Botschaft: „Eisbär statt Milliardär, Entmilliardärisieren für Klima, Natur und Demokratie.“ Die Mahnwache dient als Protestort, als Bühne und als Begegnungsort von Konferenz und Protest. Zwischendurch passierte auch aller Hand Theater in Tierkostümen, Tanz und Musik. Um 17 Uhr spielten Elektro-Opi und Pastor Leumund funky Live-Musik.
🏛️ Abend: Workshops zu Reichtum, Schulden, Grundeinkommen
Der Abend klang mit zwei parallelen Workshops aus. Im Murx (Karl-Marx-Str. 282, Neukölln) diskutierten Ata und Alice von Debt for Climate die Frage „Wem gehört der Reichtum?“: Steuergerechtigkeit, Schuldenkrisen und warum globale Ungleichheit und Klimakatastrophe nicht zu trennen sind.
In der Galiläakirche (Rigaer Str. 9, Friedrichshain) stellte Ronald Blaschke vom Netzwerk Grundeinkommen die These vor, dass Grundeinkommen und soziale Garantien zentrale Bausteine für Klimagerechtigkeit und sozialökologische Transformation sind, und diskutierte sie gemeinsam mit dem Publikum. Im Anschluss folgte ein vertiefender Workshop zum universellen Sozialsystem.
🚔 Massives Polizeiaufgebot ab dem frühen Morgen
Montag begann mit einem unmissverständlichen Signal des Staates: Die Straße vor dem InterContinental Hotel war in beide Richtungen gesperrt. An allen Tagungsorten standen Wannen. Öffentliche Plätze wurden von uniformierten und zivilen Einsatzkräften bewacht.
☣️ 10 Uhr: XR erklärt DoubleTree zur Sperrzone
Dennoch: Die geplante Aktion lief. Rund 30 Aktivist:innen von Extinction Rebellion versammelten sich direkt am DoubleTree Hotel. Etwa 20 Menschen stellten Sterbende dar; acht Aktivist:innen in Schutzanzügen und Gasmasken inszenierten die Szenerie als toxische Sperrzone, Rauchtöpfe vervollständigten das Bild.
Die Polizei reagierte schnell. und rabiat. Sie schlug und trat um sich, bevor sie die Aktivist:innen schließlich auf den Gehweg räumte. Dort wurde das starke Aktionsbild fortgesetzt. Dabei gab es eine kurze Ingewahrsamnahme eines Aktivisten. Die anderen Aktivist:innen konnten vorerst gehen.
Video: instagram.com/reel/DZVb4N8gHoY
🕯️ Mahnwache am Olof-Palme-Platz: Polizeiwillkür
Ab 9 Uhr wurde parallel die Mahnwache am Olof-Palme-Platz aufgebaut. Gegen Mittag umstellte die Polizei dort eine Gruppe, nahm auf der angemeldeten Mahnwache Personalien auf, beschlagnahmte Material und hielt die Gruppe zwei Stunden ohne Tatvorwurf fest. Ein Vorgehen, das in eine Reihe passt mit der übertriebenen Polizeipräsenz an diesem Tag. Obwohl Protest per Gesetz immer in Hör- und Sichtweite möglich sein muss, gab es ein faktisches Demonstrationsverbot rund um das InterContinental.
🧘 17 Uhr: Geh-Meditationsdemonstration
Am Abend zog die als Demonstration angemeldete Gehmeditation von der Gedächtniskirche Richtung Olof-Palme-Platz. Schweigend, langsam und in einer Reihe. Es entstand ein schönes Bild: auf der einen Seite die Anzugträger:innen, die zur Konferenz strömten; auf der anderen Seite Menschen, die wissen, dass unendliches Wachstum nicht möglich ist und dass die Gier nach maximalen Profiten unsere Lebensgrundlagen zerstört.
Auch hier muss Kritik an der Polizei geäußert werden: Die Demo durfte nicht bis vor das Hotel laufen, sondern musste 800 Meter entfernt umkehren. Außerdem wurde trotz vorheriger Absprache der Gehweg statt der Straße als Aufzugsort festgelegt. Besonders bemerkenswert: Internationale Kongressteilnehmende zeigten Verständnis für die Proteste und erzählten, dass Demonstrationen und auch ein solcher Austausch in ihren Ländern nicht (mehr) möglich wären.
🤝 Kongressteilnehmende kommen auf uns zu
Auf dem Platz liefen währenddessen jede Menge Kongressteilnehmende umher und wunderten sich. Einerseits: Warum stehen die hier? Andererseits: Warum dreht die Polizei so auf für so friedliche Menschen? Kongressteilnehmende berichteten uns, dass die Proteste auch auf dem Kongress selbst großes Thema seien und bereits im Vorfeld per E-Mail darüber informiert wurde. Das erste Ziel war also erreicht: Sie wissen, dass sie kritisch beobachtet werden.
Der Austauschbedarf von Seiten der Investor:innen war groß. „Man dürfe nicht alle in einen Topf schmeißen.“ „Investitionen seien doch wichtig.“ „Klimaschutz sei ein riesiges Thema auf der Konferenz.“ „KKR sei ja schließlich nur ein Player unter vielen.“ Wir bleiben skeptisch.
Dieser Tag hatte nur eine Aufgabe: möglichst vielen Menschen von der SuperReturn zu erzählen. Auf dem Weg zum Umweltfestival zogen zehntausende Radfahrende der ADFC-Sternfahrt an unserer Kundgebung an der Straße des 17. Juni vorbei. Das Bündnis war präsent, laut und sichtbar: Flyer, Gespräche, Fahnen, Infomaterial. Wer am Sonntag durch Berlin radelte, kam kaum daran vorbei, von der SuperReturn und der NoSuperReturn zu hören.
Morgens kamen Menschen aus den verschiedenen Gruppen des Bündnisses zusammen, viele zum ersten Mal. Deswegen gab es erst mal Kennenlernrunden in Zweiergesprächen: „Wer bist du? Worauf bist du wütend? Worauf freust du dich?“ Danach gab es drei parallele Angebote: ein NVDA-Training für alle, die sich auf die bevorstehenden Aktionen vorbereiten wollten; eine Kreativsession, in der Banner für die ganze Woche entstanden; und eine Kommunikations-Gruppe, die an den Botschaften der NoSuperReturn feilte.
🐻❄️ Eisbär löst Rätsel am Wittenbergplatz
Am Nachmittag zog die Gruppe zum Wittenbergplatz. Dort gab es eine kleine Straßenperformance: Ein Eisbär sprühte nacheinander die Buchstaben von ENTMILLIARDÄRISIEREN auf ein zehn Meter langes weißes Banner. Für jeden Buchstaben gab es ein Rätsel, das das Publikum gemeinsam löste.
📬 Flyern und Unfug am InterContinental – Party
Wer danach noch Energie hatte, zog weiter: Flyern in die Briefkästen der Häuser rund um das InterContinental Hotel. Persönliche Einladungen in die Nachbarschaft, die in den kommenden Tagen Schauplatz der Proteste sein würde. Das Hotel selbst bekam ebenfalls Besuch. Die bereits aufgebauten Tiny-Houses auf dem Gelände standen offen. Diese Gelegenheit wurde entschlossen für etwas Unfug genutzt. Danach ging es zurück zur Dezi und der Abend. Die einen ließen den Abend entspannt ausklingen. Die anderen tanzten vom Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang auf der Dachterasse.